
Tausende von Jugendlichen heissen den Papst in Krakau willkommen! Morgen ist die Eröffnungszeremonie
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| Schon beim Einzug in die Stadt traf man Freunde |
Endlich Krakau! 15 Tage sind wir nun gegangen und es war ein erhebendes Gefühl, als wir in die Dominikanerkirche eingezogen sind, wo nur wenige Augenblicke später das Treffen aller österreichischen Pilger stattgefunden hat. Pia, die eineinhalb Wochen mitgegangen ist, erwartete uns schon sehnsüchtig!
Das Gefühl angekommen zu sein machte einerseits glücklich, andererseits hat man beim Pilgern und durch das spirituelle Programm einen Schatz in die Hand gelegt bekommen, den man noch gar nicht wirklich fassen kann und auch noch nicht wirklich umzugehen weiss damit. Ein Schatz, den man teilen möchte. Ich habe aber das Gefühl, dass jemand der so eine Wallfahrt nicht selber erlebt hat, nur wenig nachvollziehen kann, was das für eine Bedeutung hat. Es ist etwas heiliges. Geformt im Gebet, durch das geistliche Programm und durch die Gemeinschaft. Das Motto der Vorbereitungen auf den Weltjugendtag in der Erzdiözese Wien war „Road to mercy“. Eigentlich auch ein Motto sehr passend für unsere Fusswallfahrt. 15 Tage in denen wir uns mit den verschiedenen Werken der Barmherzigkeit beschäftigt haben, unterstützt durch die Impulse von Kaplan Günther. Die Zitate des Heiligen Vaters, die uns auf dem Weg nach Krakau, auf dem Weg zur Barmherzigkeit, begleitet haben, haben uns tiefer in das Verständnis von Barmherzigkeit geführt.
Beim Österreichertreffen kamen 3000 Jugendliche zusammen, die sich auf den Weg nach Krakau gemacht haben. Kardinal Schönborn, Bischof Scheuer, Weihbischof Leichtfried, Jugendbischof Turnovszky und Bischof Krautwaschl haben sich auch auf den Weg nach Krakau gemacht und die Pilger begrüßt. Das Dominikanerkloster ist das Kloster, das in Europa am längsten durchgängig belebt ist. über 800 Jahre Gebetstradition gibt es hier. Ein guter Grundstein den Weltjugendtag zu beginnen. 

Abmarsch vom Kalwaria-Kloster - diesmal mit der vom tschechischen Paar geerbten Scheibtruhe (Schubkarre). Wer meint, eine Scheibtruhe auf einer Fußwallfahrt sei eher eine Last, als eine Hilfe, der dürfte recht haben. Aber wir geben sie um keinen Preis mehr her, sie ist für uns zu einer Art Spielzeug geworden. Man damit Gepäckstücke transportieren, oder verletzte oder faule Wallfahrer chauffieren.
Man kann sie auch als Sitzmöbel beim Picknick verwenden. Maria-Therese hat die Scheibtruhe als Müllwagen entdeckt. Nun können wir noch größere Müllmengen aufnehmen, bis der nächste Mistkübel auf dem Weg mit dem gesammelten Müll vollgestopft wird.


Ein Wallfahrer entschied sich für Option 3, rutschte aber aus, sodass beide Schuhe und Socken im Bachwasser landeten. Glücklicherweise ist sonst nichts passiert und Marie-Therese hilf mit trockenen Wollsocken aus.
Das Papstzitat des Tages stellte den Zusammenhang zwischen Barmherzigkeit und Mission her. Wer die Barmherzigkeit Gottes erfahre, der werde notwendigerweise zum Missionar, zum „Christusträger“ (Christophorus), wie der Papst in diesem Zitat meinte.
Zum Mittagessen picknickten wir vor einer Holzkirche, von denen es viele in Polen gibt und von denen wir schon einige auf unserem Weg gesehen haben. Aber auch diese Kirche konnten wir nur von außen bewundern - leider zugesperrt.
Der Impuls von Kaplan Günther zu den Werken der Barmherzigkeit drehte sich um zwei Werke: „Zweifelnden raten“ und „Trauernde trösten“. Es seien keine einfachen Aufgaben, weil es darum gehe, sich auf die Not und Ausweglosigkeit der Betroffenen einzulassen.
Da heute Sonntag ist, durfte sich unsere Gruppe wieder einen gehfreien Tag gönnen. Dazu gehörte für viele auch das Ausschlafen bis halb 10. Dann feierten wir die Messe, wo wir unsere zwei tschechischen Freunde trafen. Anschließend teilte sich unsere Gruppe. Auf dem Programm stand der Besuch der Stadt Wadowice, der Geburtsstadt von Johannes Paul II., beziehungsweise ein ruhiger Nachmittag im Kloster. 

Der Großteil entschied sich für die erste Variante. Das Highlight hier war das Haus, in dem Karol Wojtyla geboren wurde und seine ersten achtzehn Lebensjahre verbrachte. Durch die Ausstellung lernten wir Johannes Paul II. noch näher kennen. Karol Wojtyla revolutionierte in einer Welt, die den Menschen immer mehr zum Objekt degradierte, das Menschenbild, dessen Würde auf der Ebenbildlichkeit mit seinem Schöpfer gründet. Anschließend aßen wir gemeinsam Pizza, dabei wurde eine weitere Zecke und entfernt. Wir besichtigten die Basilika, in der Polens Nationalheiliger getauft wurde, sahen uns den Karmel an, den der junge Karol Wojtyla immer wieder zum Gebet aufgesucht hat, und bummelten durch die Stadt. Amerikaner, Australier, Franzosen, Deutsche und andere Österreicher (Fahrtvariante Salesianer Don Boscos) belebten die kleine Stadt und wir wurden schon richtig auf den Weltjugendtag eingestellt. 
Um 18 Uhr trafen wir uns wieder alle zusammen bei einer Terrasse des Klosters, wo Bischof Stephan eine Katechese für uns hielt. Die Themen waren der Weltjugendtag, Papsttum und Barmherzigkeit. Wir waren erfreut, dass unsere tschechischen Bekannten sich dafür zu uns gesellten. Die Deutsch-Englisch-/Deutsch-Französisch-Übersetzungen waren erfolgreich.
Der längste Tag der Woche begann mit einem reichhaltigen polnischen Frühstück im Pfarrheim Andrychow. Eine der ualieben Damen gab noch eine Runde Zitronowska (vgl. Limoncello) aus. So starteten wir wohl-gestärkt die Wanderung mit dem letzten Lied des Morgenlobs - „Rückenwind“. Voller Elan erklommen wir am sonnigen Vormittag drei Berge - für unsere Tiroler natürlich Hügelchen. Während des Abstiegs vom ersten Gipfelchen tauschten wir uns über unsere Gedanken zu den heutigen zwei Papstzitaten aus.
„Der Herr muss dort gesucht werden, wo er uns begegnen will, und nicht da, wo wir verlangen, ihn zu finden!“ (PP. Franziskus, Generalaudienz, 4. Mai 2016)
Nach intensiven Diskussionen bekamen wir noch vor der Mittagspause den Impuls mit dem von unserem „Pilgerkaplan“ Günther Schreiber. Das heutige Werk der Barmherzigkeit, worüber wir uns Gedanken machten, lautete „Unwissende belehren“. Zur Zeit der Stille lud er uns ein, darüber zu trachten, ob und wie wir das in unserer Schul- oder Studienzeit erfuhren. Auf diesem „Pfad des Schweigens“ folgten wir den Spuren des Papstes Johannes Paul II., woran eine kleine Gedenkstätte erinnert.
Durchgeschwitzt und mit paradeisisch roten Köpfen erreichten wir schließlich den Ort des großen Glücks - ein atemberaubend fantastischer Ort zum Picknicken. Vereint mit unserer guten Essensfee Fanny, unserem spritzigen Georg und unseren Verletzten genossen wir eine bodenständige Jause. Nach einem Mittagsschläfchen zogen wir los, um die nächsten Gipfel in der prallen Sonne zu erstürmen. Fix und Foxi gelangten wir nach Streifzügen durch unwegsames Gelände zu einem gekennzeichneten Wanderpfad, der reich umrahmt war von Heidelbeeren („Agee, des hoaßst Moosbean!“ Raphaela: „Na, Moschbean“).
Nicht weit vom Ziel entfernt trafen wir auf zwei tschechische Pilger, die wie wir zum Weltjugendtag in Krakau GEHEN. Und wie sollte es anders sein, sie wandern mit einem Schubkarren… Mutig schlossen sie sich uns an, woraufhin unsere starken Männer abwechselnd den Karren mit Begeisterung schoben. Selbst unser Bischof Stefan ließ es sich nicht nehmen mit anzupacken. Unseren schiebewütiger Franzosen schreckten nicht einmal mannshohe Rapsfelder ab.
Angekommen im Franziskanerkloster am Kalvary-Berg (ein beliebter Wallfahrtsort in Kleinpolen) feierten wir gemeinsam mit unseren neuen tschechischen Bekannten die Festmesse zu Ehren der heiligen Birgitta.